Bilder zum Lehrgang in Stockholm

Bericht zum Seminar in Stockholm vom 28.09. - 02.10.2003


Förderung der Schülerinnen und Schüler, Qualitätssicherung und europäisches Curriculum
an schwedischen Schulen

Programm
 

Samstag, 28.09.02

12.35 - 14.35 Uhr

Flug Frankfurt - Stockholm, Flug Nr. SK 636
Quartier: Hotel Alexandra, Magnus Ladulasgatan 42, SE 11827 Stockholm, Tel. 0046 - 8840320

     

Sonntag, 29.09.02

09.30 Uhr

Führung durch die Altstadt
 

 


15.30 -18.00 Uhr

Einführung in das schwedische Schulsystem am Goetheinstitut Stockholm, Linnégatan 76,
Tel. 0046 - 84591221; Referent: Rainer Fußgänger
anschließend Verteilung von Erkundungsaufgaben für die Schulbesuche am Montag, dem 30.09.02

     

Montag, 30.09.02

08.30 - 11.30 Uhr

Schulbesuche in 3 Gruppen

6-jährige Grundschule Tullgardskolan
Tullgardsgadan 2, 11668 Stockholm, Tel.: 0046 - 84427500 Schulleiterin: Kerstin Boussard

Thorildsplangymnasium (Jg. 10 - 12, studienvorbereitend)
Drottningholmsyägen 82, 11242 Stockholm
Tel.: 0046 - 850843500
Kontaktlehrerin: Linda Hegestad

Nackagymnasium (Jg. 10 - 12, berufsbezogen)
Griffelvägen 17, 13140 Nacka, Tel.: 0046 - 87188100
Kontaktlehrerin: Ewa Baedecke

     
 

13.00 - 16.00 Uhr

Willkommen im Skolverket, dem Zentralamt für Schule und Erwachsenenbildung
Alströmergatan 12, 10620 Stockholm, Tel.: 0046 - 8770783200
Referate mit Aussprache zu den Themen
    - Das Steuerungsmodell der schwedischen Schule
    - Von der Förderung der Grundkompetenzen der Schülerinnen    
       und Schüler zur Evaluation der Unterrichtsergebnisse
Referent: Tommy Lagergren

     

Dienstag, 01.10.02

09.00 - 11.00 Uhr

Willkommen in der Lehrerhochschule
10026 Stockholm, Tel.: 0046 - 87375500
Gespräche mit Birgitta Hammarström und Herman Grill:
     Was sollen Lehrer können? Lehrerausbildung vor und nach 2001

     
 

14.00 - 16.00 Uhr

Besuch der Europaschule Stockholm,
Sandsgatan 2, Tel.: 0046 - 8335064
Kontaktlehrerin: Anke Dahlquist

     

Mittwoch, 02.10.02

vormittags

Gespräche über Schulpartnerschaften mit schwedischen Schulen

     
 

16.45 - 19.00 Uhr

Rückflug Stockholm - Frankfurt (Flug Nr. SK 673)

     

(I) Willkommen im Goetheinstitut Stockholm                                                       29.09.2002
 

Einführung in das schwedische Schulsystem

 

1. Bericht von Herrn Rainer Fußgänger

  • Schulträger

    Zum Ende der 80er Jahre wurde das schwedische Schulsystem kommunalisiert. Es gibt 289 Gemeinden und damit jetzt 289 Schulträger.
    Vorher hatte der Staat die Oberhoheit, jetzt Skolverket, das Zentralamt für Schule und Erwachsenenbildung (siehe dazu Abschnitt III. dieses Protokolls). Es gab dabei große Widerstände von Lehrerseite wegen der Veränderung der Arbeitsbedingungen, z. B. Unterschiede zwischen reicheren und ärmeren Gemeinden (Steuern werden vornehmlich an die Gemeinden gezahlt, nur besser Verdienende zahlen darüber hinaus noch Steuern an den Staat), unterschiedliche Lehrergehälter von Gemeinde zu Gemeinde, von Schule zu Schule, auch innerhalb der Schulen.
    Grundsätzlich gilt für Schweden, dass man von einem Lehrergehalt (im Schnitt 20.000 Kronen pro Monat) keine Familie ernähren kann.

     
  • Kindergarten / Kinderbetreuung

    Wenn das Kind 1 Jahr alt ist, haben alle Eltern Anspruch auf einen Kindergartenplatz. Die Betreuung für Kinder ist vom 1. Lebensjahr bis zum Alter von 12 Jahren abgesichert. Es gibt hier Qualitätsvorgaben mit Sollbestimmungen; die Realität kann aber auch anders aussehen, z. B. in ärmeren Gemeinden. Die Gemeinden wenden ca. 13 % der Gesamtausgaben für Vorschule und Kindergarten auf. Die Eltern zahlen maximal 1 900 Kronen für 2 Kinder pro Monat.

     
  • Vorschule / Grundschule / Gymnasium / Spezialschulen

    Im Alter von 6 Jahren beginnt die Schullaufbahn mit der Vorschule, die entweder an einen Kindergarten oder die Grundschule angeschlossen ist. Unterricht (spielerischer Umgang mit Zahlen und Buchstaben und Themenarbeit) ist z. B. von 8.30 Uhr bis 12.30 Uhr, danach findet Freizeitbetreuung statt.
    Mit dem 7. Lebensjahr beginnt die neunjährige Grundschule , in der alle Schüler gemeinsam unterrichtet werden.
    Darüber hinaus gibt es Spezialschulen für Blinde, Gehörlose usw. sowie zunehmend freie Schulen, die oft besondere Ausrichtungen haben und staatlich anerkannt werden können. Eltern können frei wählen, in welche Schule ihre Kinder gehen. Die Wohnortgemeinde zahlt dann einen Ausgleichsbetrag an die besuchte Schule.
    Die Ziele der Grundschule sind allg. vorgegeben über das Schulgesetz (genannt sind hier die Grundwerte der schwedischen Demokratie), über Kurspläne (Syllabuses) werden Fachvorgaben als allgemeine Ziele und Standards für das Ende des 5. Jahres und des 9. Jahres des Schulbesuchs gegeben (keine Inhalte, keine Methoden).

    Am Ende des 5. Schuljahres gibt es Überprüfung des erreichten Standards, die den Lehrern als Orientierung dienen für die Einschätzung der Schüler. Am Ende des 9. Schuljahres stehen nationale Prüfungen in Schwedisch, Mathematik und Englisch (siehe dazu Abschnitt III. dieses Protokolls).

    Noten werden ab dem 8. Schuljahr gegeben. Es gibt 3 Noten des Bestehens (sehr gut - gut/befriedigend -  ausreichend). Bei Nichtbestehen gibt es keine Note. Kurse/Fächer, die nicht bestanden werden, können jeder Zeit in der Schullaufbahn nachgeholt werden. Die Schüler werden immer versetzt in der Grundschule. Die Muttersprache von Migranten kann 2. Fremdsprache werden.

    Auf die Grundschule folgt das 3-jährige Gymnasium mit studienvorbereitenden und/oder berufsvorbereiteten Programmen. Die studienvorbereitenden Programme sind Sozialwissenschaft, Naturwissenschaft oder Technik. Darüber hinaus gibt es noch 14 berufsvorbereitende Programme (z. B. Handel/Wirtschaft, Elektrotechnik, Bautechnik, Handwerk, ...). Jedes Programm ist festgelegt in Goal, Structure und Syllabuses. Alle Schüler machen in dieser Zeit eine Projektarbeit.

    Die Schüler erhalten unabhängig vom Einkommen der Eltern für 9 Monate des Jahres (Zeit ohne Ferien) 950 Kronen/Monat Schulgeld. 98% aller Schüler gehen nach der 9-jährigen Grundschule in ein Gymnasium. Ca. 70% der Gymnasialschüler erreichen den Abschluss. Dazu trägt wesentlich bei, die Offenheit und Flexibilität des schwedischen Schulsystems mit breiten Förderansätzen, z. B. hat eine große Zahl von Schülern keine 2. Fremdsprache, sondern hat in den zwei Kernfächern Schwedisch und Englisch zusätzlichen Unterricht; auch können Fächer, die in der Grundschule nicht bestanden wurden, im Gymnasium wiederholt werden.
    Außerdem gibt es jedes halbe Jahr Entwicklungsgespräche zwischen Lehrer, Eltern und Schüler.
    Fest angestellt sind an den Gymnasien Studien- und Berufsberater. In den Grundschulen arbeiten Lehrer, Betreuer für die Freizeit, Psychologen und weiteres Personal als Teams zusammen und kümmern sich so um die Belange der Schüler. Alle Schulen sind Ganztagsschulen mit kostenlosem Mittagessen für Schüler.

    Alle Lehrer haben einen eigenen Schreibtisch in der Schule, meist mit eigenem PC. Mehrere Lehrer teilen sich in der Regel ein Büro.

    Für die Lehrer besteht Präsenzpflicht von 35 Zeitstunden pro Woche, die sie in der Schule verbringen.

     

2. Diskussion
 

  • Wie sieht die Begabtenförderung aus?

    Begabte Kinder können bereits im Alter von 6 Jahren die 1. Klasse besuchen.

    Die freien Schulen sind oft auch „Leistungsschulen“ in ihrem Schwerpunkt, d. h. sie benoten evtl. früher, haben höhere Ansprüche an die Schüler.

    Viele Eltern suchen die stärkere Leistungsorientierung, z. B. sind 60% der Schüler der deutschen Schule in Stockholm Schweden.

 

  • PISA und das gute Ergebnis Schwedens?

    Ein Begründungsstrang dafür könnte sein das demokratisch offene Schulsystem mit seinen flachen Hierarchien: alle gehören  zum  Kollektiv, Lernmotivation ist dadurch gestärkt, Arbeitsteams haben große kreative Möglichkeiten.

    Das Leseverständnis wird sicher auch dadurch gefördert, dass Fernsehfilme nicht synchronisiert werden, und dass durch Fernsehkonsum eine frühe Lesemotivation erzwungen wird.


                                                                                                                                                                                                                        

 

(IIb) Besuch im Thorildsplangymnasium Stockholm                                          30.09.2002

  
(IIa) Besuch der 6-jährigen Grundschule Tullgardsskolan Stockholm                 30.09.2002
 


Protokoll: Cornelia Lehr

Struktur des Vormittags am Montag, dem 30.09.02, von 8:30 – 11:30Uhr

  • Gespräch mit der Schulleiterin Frau Kerstin Boussard
  • Rundgang durch die Schule
  • Klärung offener Fragen mit Frau Boussard
  • Gemeinsames Mittagessen in der Cafeteria/Kantine

 

Da in der Diskussion mit Frau Boussard viele interessante Punkte angesprochen wurden, es jedoch zwangsläufig keine klare Tagesordnung gab, fasse ich die Gesprächsergebnisse in kurzen Statements zu einzelnen Stichworten zusammen.

  • Informationen zur Schule
  • Arbeitszeit und Arbeitsbedingungen der Lehrkräfte
  • Förderung der Schülerinnen und Schüler und nationale Tests (siehe Anlage - wird noch eingestellt)
  • Evaluation (siehe Anlage - wird noch eingestellt)

 

Informationen zur Schule

 

Die Tullgardssklolan ist eine 6-jährige Grundschule mit zur Zeit 400 Schülerinnen und Schülern und 61 Mitarbeiter/innen.  Sie wurde 1995 erbaut und begann ihre Arbeit mit 160 Kindern.  Die Schulleiterin hatte 6 Monate Zeit, die Schule mit ihrem Schulbudget einzurichten und Personal einzustellen.

Die Räumlichkeiten wirken freundlich, hell und großzügig.  Es dominieren helles Holz und Pastellfarben.  An den Wänden der Flure hängen Arbeiten von Kindern.  Jeder Jahrgang hat einen abgeschlossenen Trakt mit je 2 Klassenräumen, 2 Gruppenarbeitsräumen, Teeküche, Sozialfläche, Toiletten und Garderobe.  Dazu kommen Schränke für jedes Kind.  Schüler und Lehrer wechseln von Straßen- zu Hausschuhen.

Die Schule kann pro Jahr 50 Kinder aufnehmen.  Einzugsgebiet ist überwiegend der Stadtteil, in welchem die Schule liegt, erst danach werden weitere Anmeldungen berücksichtigt.  Die Kinder kommen aus vornehmlich intakten schwedischen Mittelklasse-Familien, bei denen häufig beide Eltern berufstätig sind.  Nur 5 Kinder beherrschen die schwedische Sprache nicht gut.  Fast alle Eltern nehmen das freiwillige Vorschul-Angebot der Schule für ihre Kinder wahr. 

Geöffnet ist die Schule von 6:30 bis 18:30 Uhr.  In diesem Rahmen findet von 8:20 bis 15:00 Uhr Unterricht statt, die restliche Zeit ist Betreuung einschließlich der gemeinsamen Mahlzeiten in der Cafeteria/Kantine, die für Kinder und Erwachsene angeboten werden.  Betreuung außerhalb des Unterrichts ist für Schülerinnen und Schüler der Klassen 1 – 4 aus aufsichtsrechtlichen Gründen verbindlich, ab Klasse 5 freiwillig.

Es gibt 2 Sekretärinnen, 1 Hausmeister und 3 Angestellte im Küchenbereich. Von den 61 Lehrkräften haben 49 eine abgeschlossene pädagogische Ausbildung.

 

Arbeitszeit und Arbeitsbedingungen der Lehrkräfte

 

Alles Personal wird von der Schulleiterin eingestellt.  Sie hat keinen Unterricht und verfügt über das Schulbudget.  Das Geld, das die Schule zur Verfügung hat, rekrutiert sich zum allergrößten Teil aus zugewiesenen Geldern der Kommune. Diese zahlt für jeden Schüler der 1. – 5. Klasse einen festen Betrag (Summen wurden nicht genannt) an die Schule, über deren Verausgabung die Schulleiterin der kommunalen Verwaltung Rechenschaft schuldig ist.

Über die Bezahlung jeder Lehrkraft wird in einem jährlich stattfindenden Einzelgespräch mit der Schulleiterin neu verhandelt.  Grundlagen des Gesprächs sind die Erfahrung der Lehrkraft, die Noten ihrer Schülerinnen und Schüler bei den nationalen Test, das Engagement im Kollegium (s.u. thematische Arbeitskreise) und das zur Verfügung stehende Geld im Budget.  Lehrkräfte verdienen zwischen 19.000 und 26.000 schwedische Kronen im Monat.

Die Arbeitszeit der Lehrkräfte ist festgelegt auf 35 Stunden Präsenzzeit pro Woche zwischen 8 Uhr und 15 bzw.16:30 Uhr.  Zusätzlich sind 10 Stunden für häusliche Arbeit veranschlagt.  Von diesen zusammen 45 Stunden wöchentliche Arbeitszeit sind 18 Stunden Unterricht.  Die verbleibende Zeit wird genutzt für Elterngespräche, Besprechungen mit Schülern/Schülergruppen bzw. regelmäßige Absprachen mit Kolleginnen und Kollegen sowie die verantwortliche Teilnahme an einem thematischen Arbeitskreis.  Diese Arbeitskreise tagen nach Bedarf, mindestens aber dreimal in einem „term“ (=Schulhalbjahr).  Einmal im Monat findet von 17 – 19 Uhr eine Gesamtkonferenz statt, die inhaltlich von dem Hauptarbeitskreis, der „Homegroup“ vorbereitet und auch geleitet wird.  Thematische Arbeitskreise an dieser Schule sind zB Pädagogik, Mobbing, Schulkultur, Umwelt, Krisen-AG, Tradition, Gleichstellungsgruppe etc.  Für Besprechungen, kleinere Konferenzen, zum Ausruhen und für informelle Gespräche gibt es ein größeres Lehrerzimmer mit Sitzecken,Pflanzen und Teeküche.  Für ihre unterrichtlichen Vorbereitungen steht jeder Lehrkraft ein abgegrenzter Einzelarbeitsplatz mit Schreibfläche und Regalaufsatz in einem speziell dafür ausgerüsteten Lehrer – Arbeitsraum zur Verfügung, in dem auch Computer oder Laptops genutzt werden können.

Ihren Urlaub müssen Lehrkräfte in den Ferien nehmen.  Diese umfassen 2 Wochen im Dezember, 1 Woche im Februar, 1 Woche an Ostern und 9 Wochen im Sommer.  In dieser Zeit halten die Betreuungskräfte die Schule für die Kinder offen.  Sie haben dafür gesonderte Urlaubsregelungen.

 

Förderung der Schüler und nationale Tests
 

Das Schulprofil der Tullgardsskolan ist die besonders intensive Förderung aller Kinder der Schule.  Dazu dienen der Schule verschiedene Maßnahmen.

  • Es findet mindestens ein Einzelgespräch pro Halbjahr zwischen einem Kind, seinen Eltern und der verantwortlichen Klassenlehrkraft statt.  In diesem Gespräch werden gemeinsam Zielvereinbarungen festgelegt, d.h. es wird besprochen und schriftlich festgehalten, welchen Lernzuwachs dieses Kind in bestimmten Fächern realistischerweise erreichen kann.  Dieses Ziel wird im darauffolgenden Gespräch überprüft und es wird besprochen, woran das Erreichen des Ziels eventuell gescheitert ist.  Diese Lern- Entwicklungsgespräche beginnen bereits auf der Grundlage des Vorschul – Tests.  Dessen Ergebnis wird aufgeschrieben und es werden dazu jedes Halbjahr lediglich die Verbesserungen der Leistungen des Kindes notiert, so dass das Kind für seinen Lernerfolg gelobt wird.  Auch die Eltern sind durch Vereinbarungen über häusliche Unterstützung in der Pflicht.
     
  • Zusätzlich zum offiziellen Stundensoll der Schule (s.Anlage) stehen den Lehrkräften 80 Minuten Zeit pro Woche für die Fächer Schwedisch und Mathematik mit den schwächeren Kindern zur Verfügung.  Gefördert wird in speziell zusammengestellten Kleingruppen.  Es herrscht immer die Devise „Aim higher“, also höher zu zielen als das verlangte Niveau der Tests.  Diese nationalen Tests oder „Stockholm Tests“ sind für das 3. und das 5. Schuljahr angesetzt.  Getestet wird das Wissen in Englisch, Mathematik und Schwedisch.  Diese Tests dienen zunächst den Lehrkräften als Richtschnur, Ansporn und Maßstab zur Einteilung und Zielausrichtung ihrer Arbeit in den einzelnen Jahrgängen.  Darüber hinaus kann die Kommune die Leistungsfähigkeit einzelner Schulen einsehen und eventuell ein verbessertes Angebot oder Geldmittel für einzelne Schulen bereitstellen.
     
  • Die Lehrkräfte arbeiten mindestens drei Jahre in einer Klasse, so dass sie die Kinder gut kennenlernen können.  Dann hängt es von ihrer Ausbildung ab, ob sie weiterhin als Klassen- und Fachlehrer eingesetzt werden oder wiederum eine neue Klasse übernehmen.  Dabei ist für die KollegInnen wichtig, an einem Strang zu ziehen, um stabile Regeln, Arbeitsstrukturen und Rituale mit/bei den Kindern aufzubauen.  Alle Personen sollen sich in „ihrer“ Schule wohlfühlen und sie zu ihrer „zweiten Heimat“ machen, denn sie verbringen den größten Teil des Tages hier gemeinsam.
     
  • Die Schülerbücherei spielt im Schulkonzept dieser Schule eine herausragende Rolle.  Sie ist der Ort, wo Kinder sich vor oder nach dem Unterricht und in den Ferien treffen.  Die Neugier auf und die Liebe zu Büchern wird systematisch aufgebaut und entwickelt.  Es finden Vorlesestunden und Kreativworkshops rund ums Buch statt, alle Lehrkräfte beziehen Bücher und deren Geschichten und Themen aktiv in ihren Unterricht mit ein.  Auch als Ruhe – und Pausenraum wird sie gerne von den Kindern genutzt.  Die Kinder leihen sich die Bücher selber aus und üben den verantwortlichen Umgang mit ihnen.

 

Evaluation

 

Jeder thematische Arbeitskreis, einzelne Lehrkräfte oder am Schulleben beteiligte Personen können Vorschläge zur Evaluation bestimmter Bereiche oder Probleme machen.  Der Arbeitskreis „Evaluation“ (die sogenannte „quality group“) diskutiert diese und entwickelt daraufhin für einen Problembereich einen Fragebogen zur Evaluation dieses Bereiches.  Uns wurde von Frau Boussard ein Fragebogen an Schülerinnen und Schüler, Lehrkräfte und Eltern vorgelegt zur Qualität der Cafeteria/Kantine bezüglich des dort ausgegebenen Essens (s.Anlage IIa)).  Nach dem Rücklauf des Fragebogens schaut die Schulleiterin alle Bögen durch und reagiert auf die Ergebnisse nach der Diskussion mit ihren Lehrkräften und mit den für die Küche Verantwortlichen.  Es werden Veränderungs- und Verbesserungsvorschläge erarbeitet, auch in Form von Wettbewerben.  Auf dem pro Halbjahr stattfindenden Elternabend werden die Ergebnisse der Evaluation und die daraus gezogenen Konsequenzen den Eltern vorgestellt.  An dieser Stelle hob Frau Boussard sehr deutlich die flache Hierarchie innerhalb der Schule hervor.  Alle am Schulleben beteiligten Personen haben ihre Aufgaben und Funktionen und können sich nach ihren Kräften engagieren.
 

                                                                                                                                                                                                                        
                                         


Protokoll:  Jens Nickel


Das Thorildsplangymnasium ist ein studienvorbereitendes Gymnasium.

Das Haus wurde 1964 gebaut und zunächst durch das  „Higher Technical Institut of Stockholm“ belegt. Später dann ist das Gymnasium eingezogen. Obwohl die vierspurige Europastraße 4 nur etwa 50 m vom Haus entfernt ist, bekommt man doch kaum etwas davon mit.

Von den 80 Lehrkräften sind 65 Vollzeitkräfte. Außerdem arbeiten in der Schule ein Psychologe, zwei Beratungslehrer für die nachschulische Zeit, zwei Krankenschwestern, zwei Bibliothekare, drei Computertechniker, zwei Hausmeister und zwei Empfangsleute. Ein Lehrer ist schwerpunktmäßig mit der Schulentwicklung beschäftigt. Der Direktor, der seit 1988 an dieser Schule in diesem Amt ist, wird durch zwei Vize-Chefs unterstützt.

Derzeit besuchen etwa 1000 Schüler das Gymnasium. Ihnen bieten sich vier Programme zur Auswahl: Ein naturwissenschaftliches, ein sozialwissenschaftliches, ein technisches und ein weiteres Programm. In dem technischen Programm sind Design und Computernetworking die Schwerpunkte. 40 ausländische Schüler absolvieren in diesem Jahr ein einjähriges Programm, das den Besuch der vier Programme vorbereitet. Die Erfahrung zeigt aber, dass viele Schüler, die vor dem eigentlichen Programm eine Vorbereitungszeit brauchen, zwei Jahre dafür brauchen. 18 Schüler werden zur Zeit innerhalb eines Asperberg-Programms ( eine Art von Autismus ) in drei Gruppen à sechs Schülern unterrichtet.

Der Schulleiter bekommt vom Schulträger Geld zugeteilt in Abhängigkeit von der Anzahl der Schüler und des Programms, das der Schüler besucht. So gibt es

  • für einen Schüler des naturwiss. Zweiges  36.000 Kronen / Jahr,
  • für einen Schüler des sozialwiss. Zweiges  33.000 Kronen / Jahr,
  • für einen Schüler des technischen Zweiges 45.000 Kronen / Jahr und
  • für einen Migranten im „Vorprogramm“ 55.000 Kronen / Jahr.                                    (Wechselkurs 09/2002: 9 SKr = 1 EURO)

 

Eine Besonderheit der Schule ist die hohe Zahl von Computern, etwa 700. Dadurch ist es möglich, dass jeder Lehrer in der Schule an seinem Arbeitsplatz in der Schule einen Computer hat. Dieses unterstützt den Einsatz von Computern im Unterricht. Für die Schüler gibt es in der Schulbibliothek mehrere Computer mit Internetzugang, dadurch haben viele Schüler eine eigene e-mail-Adresse über die Schule. In dem neuen Sprachen-Lern-Raum sind neben 16 Computern auch noch sechs Fernsehgeräte mit internationalen Kanälen und zwei Audio-Arbeitsplätze.

Die Führung durch die Räumlichkeiten gibt einen guten Eindruck der angenehmen Atmosphäre, die die Schule den Schülern bieten will. Insbesondere fällt das viele Holz auf, das verarbeitet wurde. Am stärksten wirkt es in der Schulbibliothek. Die Holzregale, auf denen die etwa 10000 Bücher untergebracht sind, wirken zusammen mit den Stühlen, den gemütlichen Sitzecken und der Balustrade sehr einladend. Viele Sitzgelegenheiten auf den Gängen laden zu Gesprächen ein. In den Gängen hängen Fernseher, die den Schülern schulbezogene Informationen geben. Ein mittelgroßer Raum mit Bühne zum Üben von Vorträgen und szenischem Spiel und ein gut ausgestatteter Raum für den Schülerrat runden den sehr positiven Eindruck ab.

Etwa acht bis zehn Lehrkräfte teilen sich einen Raum. In diesem Raum hat jeder einen geräumigen Arbeitstisch mit Computer, während sie sich den Drucker teilen. Hier können die Lehrkräfte in ihren Freistunden arbeiten. Dadurch wird es möglich, die anfallende Arbeit in der Schule zu erledigen. Beide Lehrerinnen, die unsere Fragen beantworteten, sagten, dass sie im Regelfall ihre Arbeit in der Schule machen können und keine weitere Arbeit mit nach Hause nehmen. Es kommt nämlich hinzu, dass es eine Anwesenheitspflicht der Lehrkräfte gibt: Sie müssen bis 16 Uhr (oder 16.30 Uhr ? ) in der Schule bleiben. Unter diesen Umständen ist das Bereitstellen von Arbeitsplätzen sehr nötig.

Eine Evaluation über die schulische Situation findet für die Schüler jährlich und für die Lehrkräfte alle zwei Jahre statt.

Für die Förderung der Schüler gibt es die Sommerschule in den Sommerferien. Wenn ein Jahresziel nicht erreicht wird, kann der Schüler eine etwa zweiwöchige zusätzliche Zeit in der Schule verbringen, um Mängel zu beheben. Es blieb ein wenig unklar, wieviel Verpflichtung und wieviel Freiwilligkeit hinter dieser Sommerschule steckt. In dem Bereich der Förderung sind auch die Entwicklungsgespräche zu sehen, ein Schüler halbjährlich mit einer bestimmten Lehrkraft zu führen hat. Dabei geht es um die Einschätzung des Lernstandes und um Zielsetzungen für die weitere Schulzeit.

Bereiche der Autonomie können bei der Personalwahl und bei einigen Fachabschlussprüfungen festgestellt werden. Der Schuldirektor führt mit den Bewerbern für eine Lehrstelle oder einen anderen Posten in der Schule Gespräche. Er ist sehr weitgehend unabhängig von anderen Stellen in der Entscheidung darum, eine neue Person an der Schule anzustellen. Während es für die Fächer Schwedisch, Mathematik und Englisch zentral  organisierte Prüfungen gibt, existieren in den anderen Fächern individuelle Prüfungen. Es schien so, dass dabei die Schule in gewissem Umfang eigene Maßstäbe einbringen kann.

 

                                                                                                                                                                                                                       

 

(IIc) Besuch im berufsvorbereitenden Nackagymnasium in Stockholm                30.09202

Protokoll: Sebastian Hild
 

Teilnehmerinnen von schwedischer Seite: Ewa Beadecke (Kontaktlehrerin und Monika Hornbow (eine von drei DirektorInnen, zuständig für einen Bereich mit ca. 800 SchülerInnen und 60 LehrerInnen)

 

Organisation der Schule

Das Gymnasium (für SchülerInnen nach der 9jährigen Grundschule, ca. 98 % eines Jahrgangs besuchen eine solche Schule für in der Regel 3 Jahre) liegt in Nacka, einem großen Vorort Stockholms. Etwa 1800 SchülerInnen besuchen die Schule, an der drei studienbezogene Programme angeboten werden (natur- und geisteswissenschaftlich sowie technisch), und 5 berufsbezogene Programme (Handel und Verwaltung/ Bautechnik/ Kinderbetreuung und Freizeit/ Elektro und Handwerk).

Bildung und Ausbildung organisiert sich nach den folgenden

Regulation Documents:

  • the (national) educational act
  • national curricula (sehr allgemein gefasst)
  • programme objections
  • course syllabuses
  • grade criteria (Bewertungsgrundsätze)
  • school plan (unserem Schulentwicklungsplan des Schulträgers vergleichbar)
  • local working plan (school document welches die national curricula und den Schulplan sowie die Evaluation auf Schulbasis ermöglicht)

 

Struktur des Gymnasiums

 

Nach der Upper Secondary School (Grundschule) erlischt die Schulpflicht, aber 98% eines Jahrgangs besuchen für drei Jahre das Gymnasium. Sie können aus 17 nationalen Programmen auswählen:

  • child recreational
  • electrical engineering
  • energy programmes
  • arts
  • vehicle engineering
  • business and administration (tourism)
  • handicraft (eg. hairdresser/ textile design)
  • weitere, an der Nackaschule nicht vertretene Programme:
  • hotel, restaurant, catering
  • industrial programmes
  • food
  • media
  • natural resource use
  • natural science
  • health care
  • social science
  • technical programmes

 

Es können auch individuell zugeschnittene Programme belegt werden, wobei unterschiedliche Schwierigkeitsgrade angeboten und kombiniert werden können. Es müssen Minimumstandards erreicht werden, d.h. ein „pass“ in Schwedisch, Englisch und Mathematik. Alle abgeschlossene Kurse führen zur Studienberechtigung, wobei freilich die Anforderungen der Universitäten unterschiedlich und nach Fächer gestaffelt sein können.

SchülerInnen mit Lernschwierigkeiten oder mit niedrigen Durchschnittsnoten können meist einjährige individuelle Programme durchlaufen, die aber nicht zur Studierberechtigung führen.

[ Die Möglichkeiten der Disziplinierung von SchülerInnen wurde kurz erläutert: eine längere Reihe von gestaffelten Maßnahmen ist zu durchlaufen – wichtig: Beratung mit Eltern und SchülerInnen, Warnung, zeitweiser Schulausschluss etc.]

 

In den drei Jahren haben die SchülerInnen 2500 Punkte zu erreichen u. a. :

  • core subjects (Schwedisch/Englisch/Mathematik) 680 Pkt.
  • foundation courses 760 Pkt.
  • alternative courses 100 Pkt.
  • branch courses 300 Pkt.
  • individual options 190 Pkt.
  • u. a.
  • Individuelle Optionen und spezielle Projekte können Zusatzpunkte bringen.

 

Grading System

 

Jeder abgeschlossene Kurs wird bewertet mit folgenden Stufen

  • fail
  • pass
  • pass with distinction
  • pass with special distinction

 

SchülerInnen können Kurse wiederholen oder sich erneut prüfen lassen, um bessere Abschlussstufen zu erreichen. Dafür werden Unterstützungsmaßnahmen angeboten (resource weeks).

SchülerInnen erhalten ein „leaving certificate“ (Studienberechtigung), ein „combined grades document“ (keine Studienberechtigung) oder absolvieren einen „national course test“ in den Kernfächern.

 

Berufliche Bildung

 

Theoretische und praktische berufliche Bildung werden an der Schule angeboten. 15% der Ausbildung findet in Betrieben statt, und zwar im 2. Jahr 3 Tage im Frühjahr für 4-10 Wochen, dazu den gesamten Herbst im 3. Jahr. Die Schule stellt die Praktikantenplätze zur Verfügung.

Nach drei Jahren findet keine spezielle Qualifikation statt: je nach Branche ist der Absolvent in der Lage, in einem Beruf ohne weitere Schulung zu arbeiten.

 

Arbeitszeit der Lehrer

 

Wie SchülerInnen haben auch LehrerInnen individuelle Stundenpläne mit eventuell unterschiedlichen Zeiten. Ein Vollzeitlehrer hat folgende Verpflichtung:

  • 15 Unterrichtsstunden a`60 Minuten
  • 20 Stunden regulierte Arbeitszeit in der Schule, in der Zeit von 8:00 – 17:00 Uhr die eine Hälfte Vorbereitung oder Korrektur, die andere Hälfte andere Aktivitäten wie Konferenzen, Mentorenschaft, Kontakt mit Eltern oder Schülern, spezielle Aktivitäten z. B. Austausch etc.
  • 10 Stunden in freier Verfügung
  • 13 Tage pro Jahr sollen für Fortbildung genutzt werden z. B. in der 1. oder letzten Woche der Sommerferien und der 1. Woche im November (für SchülerInnen sind Ferien)
  • Im privaten Gespräch wurde Sinn und ausreichende Zuordnung der Stunden in Frage gestellt.
  • Alle 2 Jahre findet eine Evaluation der Lehrkräfte durch die SchülerInnen statt.

 

Unterstützung von „slow learners“

 

Der Ergeiz (und die Verpflichtung) jeder Schule ist es, dass jede/r SchülerIn mindestens ein „pass“ erreicht, dafür stehen u. a. zur Verfügung:

  • spezielle Lehrer in Selbstlernzentren
  • Extraunterrichtsstunden
  • Extra Hilfe(jeden Dienstag)
  • sog. „resource weeks“ im Januar für SchülerInnen, die nicht bestanden haben
  • Sommerkurse
  • in Absprache mit Eltern/SchülerInnen können Sondermittel für besondere Unterstützungsmaßnahmen beantragt werden.

 

Die Besichtigung der Schule wurde mit einem Rundgang durch verschiedene Werkstätten beendet. Gespräche mit der Kontaktlehrerin und anderen Kollegen brachten weitere Einsichten.
 

        

(III) Willkommen im Skolverket Stockholm
(Zentralamt für Schule und Erwachsenenbildung)
30.09.2002 

1. Referat von Herrn Tommy Lagergren:

Das Steuerungsmodell der schwedischen Schule
Von der Förderung der Grundkompetenzen der Schüler/innen zur Evaluation der Unterrichtsergebnisse



                         Steuerungsmodell:

  (Agencies: Skolverket = The National Agency for Education: Zentrale in Stockholm und 11 lokale Einheiten im ganzen Land)

 

  • Die Gemeinden entscheiden über die Aufteilung des Geldes.
  • Es gibt einen „Robin Hood“ – Ausgleich für ärmere Gemeinden.
  • Obwohl die Gemeinden selbst entscheiden können, wie sie das Geld ausgeben, sind die Unterschiede von Gemeinde zu Gemeinde bei den Bildungsausgaben nicht sehr groß.
  • Das PARLAMENT gibt den Lehrplan mit übergreifenden Zielen heraus.
  • SKOLVERKET erstellt dazu Kurspläne/Rahmenrichtlinien für die einzelnen Fächer (keine Inhalte, keine Methoden!, siehe den Auszug aus Syllabuses 2000, Compulsory  school, Anlage III. 1. und www.skolverket.se).
  • Die GEMEINDEN, d. h. die Schulen, Schüler und Lehrer jeder Gemeinde müssen Wege, Methoden und Inhalte festlegen.
  • SKOLVERKET hat als Behörde z. Z. folgende Abteilungen:
    Evaluation, Entwicklung, Statistik, Recht
  • Ab März 2003 sollen nach Parlamentsbeschluss 2 Behörden entstehen: eine Behörde für Evaluation, Statistik und Recht sowie eine Behörde für Entwicklung.
  • Dies wird als schwierig angesehen, da dadurch die enge Verbindung von Evaluation und Entwicklung zerschnitten werden könnte.
  • Die Aufgaben der Abteilung „Entwicklung“ sind folgende:
    - Fort- und Weiterbildung der Lehrer
    - Entwicklungsgespräche mit den Gemeinden
    - Themen wie Basisqualifikationen und Integration von Migranten
     



Die Selbst- und Außenevaluation der Schulen erfolgt folgendermaßen:
 

  • Die Schulen müssen jährlich einen Qualitätsbericht schreiben, für den Skolverket Vorgaben machen wird in der Art   folgender Fragen: Welche Ziele  wurden erreicht, welche nicht? Wie soll dies verbessert werden? Was soll geändert werden?
    Darüber hinaus geben die Schulen die Noten weiter an Skolverket.

     
  • Staatliche Instrumente der Außenevaluation sind

       a) die nationale Auswertung einer im Abstand von 3 Jahren durchgeführten repräsentativen Stichprobe jeweils unter einem     
            bestimmten Thema.
            In 2003 sollen alle Fächer der Grundschule des 9. Schuljahres mit Tests, Selbstevaluation und Fragebögen für Lehrer,  
            Schüler und Schulleitung so evaluiert werden.

       b) die Teilnahme an internationalen Studien

       c) nationale Tests auf Schulebene

           Die Ergebnisse der Schulen werden in einer Internetbank veröffentlicht (Durchschnittsnoten und Testdurchschnitt jeder 
           Schule, eigener Qualitätsbericht der Schule, sozioökonomische Lage der Schule/Ausbildung der Eltern, siehe auch 
          
    www.skolverket.se , Homepage SIRIS). Dies ist Grundlage für die Einordnung der Schule, wie gut hat die Schule die 
          Ziele erreicht.

       d) die Qualitätskontrolle

            Themen für die Qualitätskontrolle werden von der Regierung festgelegt und an Skolverket weitergegeben, z. B. „Lust am  
            Lernen“, „Mathematik“, „Wie verwenden Schulen die Zeit?“ (Wie sieht der Stundenplan aus? Wie viele Hausaufgaben 
            gibt es? ...). Eine Stichprobe von Schulen wird gewählt und in einem Zeitraum von 3 Monaten besuchen Inspektoren von
            Skolverket mehrmals die Schulen, diskutieren mit den Kommunen und lokalen Politikern.

       e) die Inspektion der Schule , wenn Gesetze und Vorschriften nicht befolgt werden. Eltern können sich dann direkt an
           Skolverket werden.

    Die garantierte UNTERRICHTSSTUNDENZAHL beträgt für die 9-jährige Grundschule (Compulsory school) 6665 Zeitstunden. Es wird ein Studensoll für die Fächer vorgegeben; über die Verteilung auf die Schulzeit von 9 Jahren jedoch entscheidet die Schule (siehe
    Anlage III. 2.).

    Für das 3-jährige Gymnasium ist ein Stundensoll von 2150 Zeitstunden festgelegt. Es gibt aber keine Vorgabe, wie diese Stunden auf die Fächer verteilt werden sollen.

     


Nationale Tests und Noten

Noten erhalten die Schüler/innen erst ab der 8. Klasse. Nationale Tests sind verbindlich in der 9. Klasse, in der 5. Klasse wird vor Ort entschieden, ob nationale Tests durchgeführt werden. Es gibt diagnostisches Material für Vorklasse bis 5. Klasse und für 6. Klasse bis 9. Klasse. Dieses diagnostische Material hat seinen Ausgangspunkt in den Kursplänen und Rahmenplänen und es dient zur frühzeitigen Bewertung von Schülern und zur Aufdeckung von Defiziten.

Die nationalen Tests in der 9. Klasse werden zentral gestellt, aber nach Anweisungen von Skolverket von den Lehrern in den eigenen Schulen korrigiert. Stichprobenartig werden Schülerarbeiten eingesammelt und nachbewertet von außerhalb. Bisher gibt es gute Übereinstimmung zwischen den Bewertungen. Diese Stichproben werden von Jahr zu Jahr unterschiedlich festgelegt, z. B. in diesem Jahr wurden 150 Schulen ausgewählt, im nächsten Jahr werden alle Schüler mit einem bestimmten Geburtsmonat ausgewählt, ....
Der Korrekturaufwand wird in den Gemeinden über die Jahresarbeitszeitregelung individuell verrechnet. Die nationalen Tests in der Gymnasialschule werden zweimal pro Jahr angeboten. Die Lehrer entscheiden über den Termin. Darüber hinaus gibt es eine Materialbank / Testpunkte für verschiedene Fächer (siehe
Anlage III. 3.).

Diese seit 1994 eingeführte Reform hat stabile Leistungen gebracht. Ein Problem stellen jedoch die Migranten dar, da in den 90er Jahren der muttersprachliche Unterricht aus Kostengründen (Rezession) reduziert wurde und auch weniger Sozialbetreuer eingestellt wurden.

Der Übergang zur Universität ist nach dem Gymnasium möglich, wenn bestimmte Fächer bei den nationalen Test bestanden wurden. Der Notendurchschnitt muss 20,00 sein, um Zugang zu haben. Ist dieser nicht so gut, muss man an einem Tag Aufnahmetests machen und dabei einen Notendurchschnitt von 2,00 erreichen.

Anlage III. 4. gibt ein Beispiel für die Organisation der Sprachkurse und die Anspruchsstufen A, B und C.



 

Die Rolle der Schulleiter  

Sie haben keinen Unterricht, sind zu 100 % verantwortlich für das Budget, stellen die Lehrer ein und setzen die Gehälter fest (keine Tarife), sie verdienen in der Regel mehr als Lehrer und sind oft selbst keine Lehrer von ihrer Ausbildung her.
 



2. Diskussion

a)  Wie erklärt man sich das gute Abschneiden bei PISA?

 PISA ist eigentlich kein Diskussionsthema in Schweden. Positiv am Schulsystem und für den Erfolg der Schüler ist:

 - Die Lehrer arbeiten lange mit den Schülern zusammen; es gibt Zeit, Lehrerwechsel ist gering.

 - Die starke Gewichtung der Fächer Schwedisch, Mathematik und Englisch.

 - Die Flexibilität des Schulsystems spielt eine große Rolle. In den ersten Jahren gibt es nicht die Festlegung auf Jahresziele, 
   mit den Inhalten kann flexibel umgegangen werden. In Klasse 5 kommt der erste nationale Test und in Klasse 9 der
   verbindliche nationale Test.

 - Schweden gibt für die obligatorische Grundschule mehr Geld aus als für das Gymnasium. In Deutschland ist es umgekehrt.

 - Schwedische Lehrer haben gelernt, dass sie nicht aussortieren können. Zweimal im Jahr gibt es Entwicklungsgespräche
   mit Eltern und Kindern.
   Zusätzliches Personal für Förderung und Beratung gibt es in der Regel.

 - Schwedische Lehrer haben eine hohe Reputation in der Öffentlichkeit.

 PISA ist kein Diskussionsthema, aber die Disziplinfrage wird diskutiert, da  Schweden dort im Index weit unten liegt. Ebenso  
 wird die Frage einer früheren Notengebung diskutiert.


b)  Lehrerfortbildung

    Die Lehrer haben 13 Tage im Jahr für Fortbildung. Verantwortlich dafür sind die Kommunen, auch Skolverket bietet Kurse 
    an. Es gibt festgelegte Fortbildungszeiten in den Schulen. Die Schüler haben in diesen Zeiten frei.

c)  Was passiert mit den Kindern, die sich als nicht in das Schulsystem integrierbar erweisen?

    Die Kommunen haben die Verantwortung für die Jugendlichen bis zum Alter von 20 Jahren. Sie machen dann individuelle 
    Programme mit viel Praxisanteil.
    Darüber hinaus gibt es noch die Erwachsenenbildung, in der genau das gemacht wird, was auch in der Grundschule und
    dem Gymnasium gemacht wird. Jeder kann also Defizite und nicht bestandene Fächer nachholen. Auch die Arbeitsämter
    bilden weiter, wenn man seine Arbeitsstelle verloren hat.

d) Wie wird die Entwicklung der freien Schulen eingeschätzt?

    Mit einer bürgerlichen Regierung wird sicher das Angebot ausgeweitet werden. Es wird auch die Konkurrenz zunehmen, da  
    es freie Schulwahl gibt.
 

 

Literaturhinweis:

Landesinstitut für Schule und Weiterbildung
„Schulentwicklung und Qualitätssicherung in Schweden“
Entwicklungen – Erfahrungen – Materialien

ISBN 3 – 8165 – 2241 – 6
Verlag für Schule und Weiterbildung, Robert-Bosch-Str. 14, 59199 Bönen/Westfalen
Bestell-Nr. 2241

 

                                                                                                                                                                                                                      

    

(IV) Willkommen in der Lehrerhochschule Stockholm                                                     01.10.2002

 
„Was sollen Lehrer können? / Lehrerausbildung vor und nach 2001”

Bericht: Fr. B. Hammarström / Hr. Grill
 


Vorbemerkungen:

Die Lehrerhochschule Stockholm ist die einzige autonome Lehrerhochschule des Landes, ansonsten sind sie ein Teil der Universitäten. Vor der Reform in 2001 gab es an dieser Hochschule fächerspezialisierte Programme auf die Vorschule, die Grundschule, das Gymnasium hin und für Lehrer von Spezialschulen.


Die Reform verfolgt das Ziel, wegzukommen von der Fächerorientierung und zu interdisziplinärem Arbeiten zu kommen, also eine gemeinsame Lehreridentität für alle Lehrer zu entwickeln. Die Reform zwingt die Universitäten und die Lehrerausbildung zu neuen Ansätzen. So war bisher die akademische Ausbildung und die Lehreraus-bildung gleich (Magisterexamen), jetzt ist beides zu trennen. So fehlte bisher die didaktische Ausbildung in der Fächerausbildung der Gymnasiallehrer, bei den Vorschullehrern war sie integriert ins Studium.

 

Basis für die Geldzuweisung ist die Zahl der examinierten/absolvierten Punkte, die Studenten erreicht haben, nicht die Studentenzahl an der Hochschule.

Reform:
(Originaltext von Frau Hammarström)
 

 

Diskussion:

 

    a) Wie hoch ist der Praxisanteil in dieser einphasigen Lehrerausbildung?

    In den ersten beiden Feldern (60 P u. 40 P) sind je 10 Punkte Praxis in Schulen enthalten, das entspricht etwa insgesamt einem halben Jahr Praxis. In der Spezialisierung (20 P) wird ein Praxisanteil nicht verlangt.

    Die einzelnen Lehrerhochschulen sind autonom, wie sie die Praxiszeiten festlegen. Dies hängt auch davon ab, wie viel Praxisplätze in der Region zur Verfügung stehen. In das allgemeine 60 Punkte-Studium können auch Lehrer aus den Schulen integriert sein.
     

    b) Was war  die Motivation für die Reform?

    Es gab politische Kritik, den Beruf des Lehrers stärker zu professionalisieren und den Status der Lehrer zu erhöhen. Fast 50 % der Lehrer an den Schulen sind nicht als Lehrer ausgebildet worden. Hier ist Weiterqualifizierung nötig.
     

    c) Was ist die Professionalität eines Lehrers?

    - Gutes Fachwissen und didaktisches Wissen vereint  unter der Fragestellung, wie man das Fach lernt.

    - Kurspläne von verschiedenen Aspekten her beurteilen und prüfen können; eigene Curricula erstellen, beurteilen, verändern, 
      anpassen können; Arbeit dazu im Team.

    - Über die eigenen Bildungs- und Weiterbildungsbedürfnisse reflektieren können.
     

    d) Wie wird gefördert, dass Lehrer andere Bereiche/Fächer auch unterrichten können?

    Leider ist die Abgrenzung der Fächer stark verankert in der Kultur, so dass diese Überlegung noch eine Vision ist. Die Kommunen sind natürlich daran interessiert, dass fachfremd unterrichtet wird. Die Fortbildungstage könnten zur Unterstützung dafür genutzt werden.
     

    e) Welche Professionalität müssen die Lehrer bei dem fächerübergreifenden Ansatz auf die Schüler hin haben?

    Fragen der Sozialisation werden im allgemeinen Kurs oder auch in einem Spezialkurs behandelt, wobei gleichzeitig zur Theorie die Praxis erfolgt. Hier sind die Studenten festen Bezugspersonen in den Schulen zugeordnet.
     

    f) Ist in dem Reformansatz die Diagnosefähigkeit für Probleme mitgedacht?

    Frau Hammarström vermutet, dass die allgemeinen Kurse dazu auf einem zu generellen Niveau liegen.
     

    g) Könnte die Festlegung auf geringe Anteile für das Fachstudium nicht auf die fachliche Qualität vor allem der Gymnasiallehrer Auswirkung haben?

    Da die Ausbildungsdauer auf 220 Punkte (vorher 160 P, 180 P) verlängert wurde, könnte sich sogar die Fachspezialisierung erhöhen.

                                                                                                                                                                                                                        

 

(V) Besuch in der Europaschule Stockholm                                                                         01.10.2002



Bericht: Fr. A. Dahlquist

 

Die europäische Schule Stockholm ist eine Privatschule von der Vorklasse bis zur 9. Klasse mit Freizeitbetreuung. Die Schule ist noch im Aufbau. Die Räumlichkeiten sind sehr beengt, Sport und naturwissenschaftlicher Experimentalunterricht findet in einer anderen Schule statt. 22 Schüler pro Klasse ist die Obergrenze.
 

Wodurch unterscheidet sich diese Schule von einer öffentlichen Schule?

Um eine  private Schule eröffnen zu können, muss man ein Gebäude haben und eine Konzept-Idee für ein eigenes Profil. Skolverket ist die Genehmigungsbehörde. Diese Schule hat ein Sprachenprofil, d. h. Englisch wird bereits in der Vorklasse unterrichtet. Die Schule hat fast die doppelte Stundenzahl an Englisch wie öffentliche Schulen. Die Schule hat als Ziel, dass die Schüler das IB erreichen. Zur Zeit ist sie dabei die Unter- und Mittelstufe daraufhin auszubauen und Unterricht auf Englisch in einigen Fächern und Stufen einzurichten.

Ab der 4. Klasse haben alle Kinder Französischunterricht, ab der 8. Klasse kommt freiwillig Deutsch dazu. Darüber hinaus gibt es eine Verstärkung in Mathematik und Naturwissenschaften. Portfolioarbeit wird als sinnvoll erachtet und ist im Aufbau.
 

Woher nimmt die Schule dafür die Ressourcen?

Einige Klassen beginnen bereits um 8 Uhr statt um 8.30 Uhr mit dem Unterricht. Die Schule spart, indem sie keine Speziallehrer für Problemkinder und für Förderung anstellt und die Krankenschwester nur 1 x in der Woche kommt. Muttersprachen-unterricht ist am Abend.
 

Welches Elternklientel hat die Schule?

Die Probleme an öffentlichen Schulen, wie keine Ordnung, Disziplinlosigkeit, keine Ruhe in den Klassen, kein Respekt vor den Lehrern und die zu geringen Ansprüche an die Kinder, sind die Gründe für den Wechsel zu Privatschulen.

Die Eltern gehören meist zur Mittelklasse auch bei den Imigranten. Der Prozentsatz der schwachen Kinder ist gering. Die Eltern sind interessiert an ihren Kindern, es gibt mehr Anmeldungen als angenommen werden können.

 

Auch viele Lehrer möchten aus den genannten Gründen an privaten Schulen arbeiten.