Sehr geehrter Frau Staatsministerin, sehr geehrte Frau Krainz-Dürr, sehr geehrter Herr Schwarz, liebe Schülerinnen und Schüler, sehr verehrte Eltern, liebe Kolleginnen und Kollegen,

die Programmleitung, die Steuergruppe, die wissenschaftliche Begleitung aber vor allem wir Schulen selbst (Schülerinnen und Schüler, Kolleginnen und Kollegen) haben in den zurückliegenden Jahren, dieses Niveau, haben diese ehrgeizigen und anspruchsvollen Ziele im Laufe des Schulentwicklungsprogramms Europaschule erarbeitet und umgesetzt, die dann Grundlage der Zertifizierung wurden.

Die Breite der beschriebenen Aufgabenfelder, wie die geforderte Qualität haben einen Standard erreicht, der so glaube ich Beachtung und Anerkennung verdient.

Dass, das Erreichen dieser Ziele nicht einfach sein würde, hatten wir in der Steuergruppe erahnt. Die Breite der gleichzeitig zu erreichenden Standards war und ist von hohem Anspruch.
Dass jedoch 5 Schulen diese Hürde nicht überspringen würden, war nicht vorauszusehen. Das bedaure ich zutiefst, da sie als Teil dieser Europaschulfamilie ihr spezifisches Profil über Jahre eingebracht haben. Als Lehrerinnen und Lehrer müssten wir eigentlich mit dem Phänomen des Nichterreichens professionell umgehen können, da wir die Situation, dass einige das Klassenziel nicht erreichen gut kennen. Aber so ist das bei engagierten Pädagogen, so richtig zufrieden kann nur sein, wenn alle durchkommen.

Ich möchte daher den Schulen, die nun nicht mehr diesem Kreise angehören, für die kollegiale Zusammenarbeit recht herzlich danken.

Damit verlasse ich den Versuch einer knappen Vergangenheitsbewältigung und widme noch ein paar Gedanken der Zukunft der Europaschulen.

Ich glaube die Idee der Europaschulen, ihr Auftrag ist nach wie vor gut begründet und notwendig. (Und ich bin froh, dass dies Frau Staatsministerin ganz eindeutig in ihrer Rede bestätigt hat.) Diese Notwendigkeit wurde in den letzten Monaten noch einmal sehr deutlich.
In der Krise neigt ein Teil der Politik dazu vermehrt nationalstaatliche Töne anzuschlagen.

Plötzlich müssen die nationalen Parlamente wieder mehr Macht und Bedeutung im Rahmen europäischer Entscheidungen bekommen. Der Versuch einer gemeinsamen Verfassung, einer gemeinsamen Außenpolitik, all dies wird zurzeit populistisch in fragegestellt und die Rechte der nationalen Parlamente wieder deutlich präferiert.

Hier Europa als die Voraussetzung, die Garantie friedlichen Zusammenlebens in Wohlstand und sozialer Verantwortung immer wieder in den Mittelpunkt unseres pädagogischen Denkens zu rücken, bleibt Aufgabe aller Schulen und zentrale Aufgabe der Europaschulen.
Mit der Vision eines vereinten Europas, mit dem europäische Traum, wie es (Riffkin) nennt, die jungen Leute in unseren Schulen anzustecken, sie zu infizieren, sich für diese Vision einzusetzen, da sie der Weg zu Frieden, Freiheit und Wohlstand in einer globalen Welt zu sein scheint, ist eine nach wie vor vordringliche Aufgabe.

Diese, so glaube ich, unter allen Demokraten unstrittige Auffassung, wird oft kurzfristigen Interessen geopfert und mit Gurken- und Bananenkrümmungsbeispielen oder Überbürokratisierungsargumenten leichfertig verwässert. Gegen diese oft veröffentliche Meinung kämpfen wir als Europaschule an - was nicht einfach ist.
Zwei interessante Zahlenbeispiele
Europäisches Parlament - 736 Abgeordnete
10.800 Mitarbeiter.
Bundestag - 612 Abgeordnete
Bedienstete. Senatsverwaltungen Berlin 54 000


Umso erstaunlicher ist es, mit welchen Themen sie, Frau Staatsministerin in dieser von mir beschriebenen Zeit für Aufmerksamkeit, bei Anderen für Erstauen bis Ablehnung gesorgt haben.
Ich möchte die Gelegenheit nutzen und Ihnen für die mutige Entscheidung danken, Schulleitern aus dem Dilemma geholfen zu haben, als Pädagogen einerseits kein Kind abzuweisen was lernen will und anderseits als Beamter vielleicht sich verpflichtet zu fühlen, darauf zu achten, dass sich dieses Kind und seine Eltern in diesem Lande legal aufhalten. Ihre Worte hierzu sind in den Europaschulen mit großer Zustimmung und Respekt aufgenommen worden.

Bei vielen schul- und organisationsentwicklungs Ideen und Programmen haben Europaschulen Vorreiterstellung eingenommen oder waren als Versuchsschulen tätig.

Weite Bereiche der von Ihnen angestrebten "Selbständigen Schule" wie Budgetierung, Evaluation, Qualitätsmanagement, Controlling sind an Europaschulen seit vielen Jahren mithilfe wissenschaftlicher Begleitung erfolgreich entwickelt, durchgeführt und evaluiert worden.

Von vielen Seiten wird uns Anerkennung für die Entwicklung eines kompetenzorientierten europäischen Curriculum entgegengebracht. Hier laufen zurzeit die Fortbildungsmaßnahmen der Kollegien, die wiederum die Diskussion in den Fachbereichen der Schulen befruchten und die Umsetzung der neuen Pläne, zu allen übrigen Neuerungen aus ihrem Hause, gesteuert und zielgerichtet vorwärts bringen.

Ich glaube Frau Staatsministerin, Sie können hier auf eine nicht unbeträchtliche Anzahl von Schulen fast aller Schulformen blicken, die Erfahrung in der Prozessabwicklung einbringen können und auch in Zukunft für Innovation, pädagogischen Fortschritt und ganzheitliches Denken stehen.
Vielleicht können Europaschulen ein weiteres Thema ihres Potfolios, den islamischen Religionsunterrichts, auf ihre Agenda nehmen.

Ich möchte für die Europaschulen die heutige Zertifizierung als Anerkennung für die geleistete Arbeit verstehen und als Verpflichtung für die Zukunft begreifen. Als Verpflichtung Ihnen, liebe Schülerinnen und Schüler, alle Chancen die die Europäische Union, der gemeinsame Arbeitsmarkt und die Vielfalt der Kulturen in sich bergen zu eröffnen und sie ein Stück auf diesem Weg zu begleiten.

Ich wünsche allen Europaschulen weitere 5 erfolgreiche Jahre und hoffe, dass sie weiterhin in dieser kollegialen, zielorientierten und freundschaftlichen Art und Weise verlaufen mögen. Denn dieses Klima ist der Motivationsanker, der den Kollegien der Europaschulen, den Koordinatorinnen und Koordinatoren und den Schulleitung Kraft gibt, die umfangreiche, zusätzliche aber wichtige Arbeit in nicht gerade einfachen schulischen Zeiten zu meistern.

© Fotos: Winfried Sommer, Daniel Rück-Hofmann